Akute Krisenintervention

Eine Krebsdiagnose schockiert. Viele Betroffene und Angehörige sprechen rückwirkend von einem „Nichtwahrhabenwollen“ und dem Gefühl, dass einem sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggerissen wird.

Diagnose Krebs - was nun? Die ersten 5 Schritte. width=

Diagnose Krebs – was nun?

In diesem Kapitel habe ich einige Punkte/Tipps zusammengestellt. Sehen Sie es als erste, kleine Hilfestellung, die akute Krisensituation besser bewältigen zu können.

1.) Bewahren Sie Ruhe.

Eine akute Krisensituation erschwert es oft, klare Gedanken zu fassen, zu agieren und Entscheidungen zu treffen. Gerade in dieser Schockphase ist es wichtig, Hilfe durch professionelle Therapeuten und Ärzte in Anspruch zu nehmen. Es gilt „Ruhe zu bewahren“ und einen Schritt nach dem anderen zu gehen – inne zu halten, wahrzunehmen was da gerade passiert. Bereiten Sie sich auf anstehende Arztgespräche vor und schreiben Sie in Vorbereitung alle Ihnen wichtigen Fragen auf. Nehmen Sie eine Ihnen vertraute Person mit in das Gespräch und bitten Sie diese Person alles mitzuschreiben.

2.) Versuchen Sie in Ihrem Tempo zu bleiben.

Meist drängen schon im Rahmen des Diagnosegesprächs zahlreiche medizinische Informationen, mögliche Therapieoptionen und vieles mehr auf den Betroffenen ein. Es entwickelt sich ein Tempo, das für den ein oder anderen viel zu schnell sein kann. Versuchen Sie in Ihrem Rhythmus zu bleiben – Sie sind derjenige, der das Tempo vorgibt. Sagen Sie es Ihren Ärzten, wenn Sie etwas nicht genau verstanden haben. Fragen Sie nach, ob es möglich wäre ein weiteres Gespräch zu führen, um alle für Sie wichtigen Fragen zu beantworten.

3.) Nutzen Sie die psychoonkologische Beratung in der Klinik.

Alle zertifizierten Krebszentren haben eigene Abteilungen mit ausgebildeten Psychoonkologen. Meist handelt es sich um Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen oder Heilpraktiker für Psychotherapie mit einer Zusatzausbildung „Psychoonkologie“. Fragen Sie direkt in der Klinik nach einem/einer Psychoonkologen/in und Sie werden sehen, dass Ihnen diese Art der Unterstützung sehr hilfreich sein kann. Zwar haben die Kollegen-/innen im Klinikumfeld nur eine begrenzte Zeit pro Patient zur Verfügung, dennoch können schon wenige Gespräche wie Balsam für die Seele sein.

4.) Stellen Sie sich ein Helferteam zusammen.

Überlegen Sie, was Ihnen gut tun würde und wer in Ihrem Umfeld, welche Aufgabe übernehmen kann. Natürlich hat die medizinische Versorgung die oberste Priorität – nichts desto Trotz hat auch Ihre Psyche und Seele einen Anspruch auf Raum und möchte aufmerksam gehört werden. Freunde und Angehörige helfen gerne, sind allerdings meist selbst noch so schockiert, dass es für sie auch zuviel werden könnte. Informieren Sie sich bei den Krebsinformationsstellen über psychosoziale Angebote in Ihrer Nähe. Natürlich können Sie auch zahlreiche Informationen in meiner Praxisstunde erhalten.

5.) Informieren Sie sich.

Nutzen Sie die sich Ihnen bietenden Gelegenheiten für Informationsgespräche mit wissenden Menschen. Menschen, die es sich zum Beruf gemacht haben, onkologischen Patienten mit Rat und Tat zu Seite zu stehen. Damit meine ich nicht unbedingt Internetforen, sondern in erster Linie Ihre/n behandelnde/n Onkologin/Onkologen. Die Psychoonkologen vor Ort in der Klinik, die Sozialarbeiter, Krankenpfleger, Physiotherapeuten – Ihren Hausarzt. Weiterhin stehen Ihnen die örtlichen Krebsberatungsstellen sowie der Krebsinformationsdienst mit vielen Angeboten und Informationen zur Seite. Empfehlen möchte ich Ihnen auch das aktuelle Grundlagenbuch der Deutschen Krebsgesellschaft.